Tier & Mensch e.V.
BSE - noch nicht ausgestanden
Es ist still geworden um BSE, und, wenn man den Statistiken glauben darf: Die Bundesbürger essen Rindfleisch wie eh und je.
Allerdings, das weiß man seit langem, die Inkubationszeit kann Jahre dauern. Niemand kann sagen, was da im Verborgenen brütet und wo die Zeitbombe tickt. Ob sich BSE auch auf Schweine und Geflügel überträgt, ist nicht bekannt, weil diese Tiere nur einige Wochen oder Monate leben dürfen, bis sie geschlachtet und gegessen werden.
Nun, im Mai 2003, ist BSE unerwartet auch in Amerika aufgetaucht. In Kanada ist ein Rind an den Folgen der Krankheit gestorben. Die Aufregung ist groß. Im Jahre 1993 war schon einmal in Kanada bei einer aus Großbritannien stammenden Kuh BSE festgestellt worden, seitdem war Ruhe. Man hatte strenge Vorsichtsmaßnahmen getroffen. In den USA waren in den vergangenen Jahren 20 000 Rinder getestet worden, immer negativ. Der Import von Tiermehl aus Europa ist schon lange untersagt. Menschen, die längere Zeit in Großbritannien gelebt haben, dürfen kein Blut spenden.
War das alles vergeblich? Konnte die Krankheit zehn Jahre lang unerkannt bei kanadischen Rindern schlummern? Die Schafskrankheit Scrapie ist auch in Amerika schon lange bekannt. Im Norden des Kontinents gibt es aber auch einen „Hirschwahnsinn“, der Rehe und Elche befallen kann. Ganze Elch-Herden wurden vor drei Jahren vorsorglich getötet, und niemand weiß, ob sich diese Krankheit auch auf Menschen übertragen lässt. Nun bricht unter den amerikanischen Farmern, Fleischproduzenten und Fast-Food-Ketten eine Panik aus; die Aktien fallen. Einige Länder haben zeitweise ein Importverbot für Fleisch aus Kanada verhängt. In die EU-Länder durfte Rindfleisch aus den USA sowieso seit langem nicht eingeführt werden, weil die Tiere dort mit Wachstumshormonen gefüttert werden, was in Europa verboten ist (und doch immer wieder vor allem in der Kälbermast getan wird).
Welche Auswirkungen diese Sache auf manche amerikanische Bundesstaaten, die hauptsächlich von der Rindermast leben, haben kann, ist nicht vorherzusehen.
In Kanada versucht man, die Bevölkerung zu beruhigen. Der Premierminister Chretin, der wegen seines Zögerns in Sachen SARS in die Kritik geraten war, ließ sich medienwirksam beim Verzehr eines Steaks ablichten. Anschließend ging der Politiker zu einer Gruppe von Schulkindern und sagte: „Ihr sollt heute ein Steak essen“.(Zitat aus der WELT)
Wir können uns dieser Aufforderung keinesfalls anschließen.
Ernst Ulich
In Deutschland wurden bisher (August 2003) 258 BSE-Fälle registriert, die Tendenz ist sinkend. Nach wie vor ist Tiermehl, das größtenteils aus Schlachtabfällen besteht, im Kraftfutter für alle Nutztiere verboten. Dazu gehören auch sogen. "Milchaustauscher", mit denen Kälber gefüttert wurden. Auch Tierfette sind z.Z. nicht erlaubt.
Trotzdem, wir bleiben dabei: Wenn überhaupt Fleisch, dann nur aus artgerechter Tierhaltung!
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