Die Agrarwende ruht auf einigen Säulen - eine wichtige davon sind wir, die Verbraucher. Ohne unsere Bereitschaft, die Billig-Qualprodukte links liegen zu lassen und für tierische Produkte aus artgerechter, gesunder Tierhaltung den nötigen Preis zu zahlen, geben immer mehr Bauern auf, während sich die Tierfabriken rasant ausbreiten. Hier einige Beispiele: "Land und Forst", Heft 33/03 berichtete auf Seite 41 unter der Überschrift "Alternative Schweinehaltung gescheitert?", dass zwar deutlich mehr Bauern auf ökologische Schweinehaltung umgestellt hätten, jedoch auf Grund der mangelhaften Nachfrage einen großen Teil der Schweine billig an konventionelle Vermarkter verkaufen müssten. Das treibt diese Bauern in den Ruin, denn dem Preis von 2,50€ pro kg für die Erzeugung von Öko-Fleisch steht ein konventioneller Erlös von nur 1,25.€ gegenüber - den Verlust von 120 € pro verkauftem Schwein kann kein Bauer lange verkraften! Wer nicht bereit ist, das Doppelte zu zahlen, hilft also mit, die entsetzliche Tierquälerei in Agrarfabriken zu zementieren. Schweineleid zum Billigpreis, oder: Iss die Hälfte und zahle das Doppelte? Sie haben die Wahl! Aber vergessen Sie nicht: Schweine sind unternehmungslustig, intelligent, sensibel wie Hunde. Können Sie den Gedanken ertragen, verantwortlich für lebenslangen Kummer und Schmerz eines Tieres zu sein, das genausogut ein Freund der Familie sein könnte? Die Nachfrage nach Freilandeiern nimmt kaum zu. Wie das? Hatten nicht alle Tierfreunde sich massiv für die Abschaffung der Käfighaltung eingesetzt? Doch wohl nicht, um dann der Pfennigfuchser-Mentalität zu erliegen, stur zu Käfigeiern zu greifen? Immernoch stammen etwa 80% der Eier aus tierschutzwidriger Käfighaltung. Und so kommt es, dass die staatlichen Gelder, die als Umstellungshilfen Käfighaltern gezahlt werden, die auf Boden- oder Freilandhaltung umstellen, kaum nachgefragt werden. Wozu sollte einer seine Käfige abschaffen, wenn die Leute doch nur die Billigeier haben wollen? Ich glaube, hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Helfen Sie mit, sprechen Sie mit Ihren Bekannten und Verwandten über das Thema! Käfigeier sollten ällmählich out sein - ansonsten wird 2007 der Markt mit billigen Exporteiern überschwemmt, wenn in Deutschland dann die Käfighaltung endgültig verboten ist. Warum, um alles in der Welt, gucken die Deutschen bei jedem Schnickschnack auf die Qualität - nur beim Essen stopfen sie den größten Mist in sich hinein, ohne sich zu ekeln oder Skrupel zu empfinden. Hauptsache, billig.
Karin Ulich Kontaktbüro Bodensee (Sept. 2003)