Tier & Mensch e.V. |
Pressemeldung vom 13.4. 2011
Am 7. April hat Gerd Sonnleitner wieder einmal den
Sprung vom Vize an die Spitze des Europäischen Bauernverbands (COPA)
geschafft. Er will nun nicht mehr nur in Deutschland bestimmen, wo
es in der Landwirtschaft langgehen soll, sondern auch für alle 27
Länder der EU.
Schon der Begriff „Bauernverband“ ist eine Irreführung, denn
Sonnleitner vertritt knallhart die Interessen der Agro- und
Futtermittel-Industrie, der Pharma-Konzerne, (zu denen auch die
Konzerne der Gentechnik gehören), der weltweit agierenden
Unternehmen der „Tierproduktion“. Sie alle bedeuten das Todesurteil
für bäuerliche Landwirtschaft. Erstaunlich, dass es jahrzehntelang
gelingen konnte, es vor Bauern und Bürgern weitgehend zu vertuschen
und bis heute die Bauern an der Nase herumzuführen.
Er hat nie einen Hehl aus seinen Zielen gemacht. Bereits 2001 hat er
dafür den „Dinosaurier des Jahres“ vom Naturschutzbund Deutschland
erhalten. Darauf kann er sicher nicht stolz sein, denn diese
Negativ-Auszeichnung erhielt er, weil er die Agrarwende von
Ministerin Künast konsequent ausbremste, und weil er nicht nur eine
Reform des Bundesnaturschutzgesetzes, sondern auch die Ökosteuer,
eine bessere Tierhaltung und die Reduzierung von Düngemitteln und
Pestiziden verhinderte.
Nun wird der Dinosaurier alles dransetzen, um die von
EU-Agrar-Kommissar Ciolos für die Zukunft vorgesehene Koppelung der
Subventionen an die Anzahl der Arbeitskräfte und Umweltleistungen
abzuwenden, denn das passt seiner Klientel nicht in den Kram.
In Deutschland scheint Tyrannosaurus Sonnleitner die politischen
Fäden in der Hand zu haben. Neben einer ganzen Reihe von
Aufsichtsratsposten im Banken- und Versicherungswesen ist
Sonnleitner Vorsitzender der „Fördergemeinschaft nachhaltige
Landwirtschaft“, die von Groß-Konzernen vor etwa 20 Jahren gegründet
wurde. Hier bestimmen Bayer CropsScience, Monsanto, die
Futtermittel-Industrie und andere mächtige Industrie-Unternehmen,
was unter Nachhaltigkeit zu verstehen sei, nämlich
Massentierhaltung, Pestizid- und Kunstdüngereinsatz, Gentechnik auf
dem Acker. Große Summen werden verwendet, um das den Verbrauchern zu
verklickern.
Auch die Politiker werden erfolgreich bearbeitet: Für billige Masse
aus Industrie-Produktion werden Freibriefe aller Art ausgestellt,
Öko passt nicht in dieses Schema. Gesunde Ernährung übrigens auch
nicht. Als Frau Aigner vor einem Jahr erklärte, die Deutschen
müssten weniger Fleisch essen, um gesund zu leben, verlangte er von
der Ministerin, das zurückzunehmen, was sie auch tat: Es sei eine
„nette Ente“ gewesen, erklärte sie.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die EU-Ebene als widerstandsfähiger
gegenüber seinem Lobbyismus im Dienste der Global-Player-Kartelle
erweist. Es wird auch davon abhängen, ob die Bürger aufwachen und
gegen die für sie destruktive und langfristig lebensgefährliche
Entwicklung einschreiten. Es eilt, denn mit jedem Tag werden Fakten
geschaffen, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden können.
Auch Klimawandel, Urwaldzerstörung und Welthunger gehen mit auf das
Konto der Landwirtschaftspolitik, die Sonnleitner vertritt.
Karin Ulich (April 2011)
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