Tier & Mensch e.V.

Atempause am Amazonas?
Jedes Jahr werden Tausende von Quadratkilometern Urwald am Amazonas vernichtet, um neue Sojafarmen zur Futterversorgung unserer Nutztiere zu errichten. Dies geschieht meist illegal, aber die brasilianische Regierung ist dem Soja-Riesen Cargill gegenüber machtlos.
Nun haben sich die fünf führenden Sojahändler auf Druck von Greenpeace verpflichtet, zwei Jahre lang kein Soja mehr aufzukaufen, das auf solchen illegalen Flächen erzeugt wurde. Dies ist ein Riesenerfolg für Greenpeace und deren Mitstreiter, vor allem für den Leiter dieser Kampagne, Dr. Henningsen. Aber noch ist der Urwald nicht gerettet. Denn was geschieht nach zwei Jahren?
10/06
Kahlschlag am Amazonas
In den tropischen Gebieten Brasiliens herrscht zur Zeit eine extreme Trockenheit. Der Wasserspiegel des Amazonas liegt 13m tiefer als sonst. Verantwortlich dafür ist die fortschreitende Zerstörung des Urwaldes, die schneller vor sich geht, als bisher angenommen. Das beweisen die neuesten Satellitenbilder. Sie zeigen, wie sehr dieses Ökosystem, das ja den ganzen Erdball beeinflusst, geschädigt ist. Die Auswirkungen bekommen wir schon jetzt zu spüren; wie die Zukunft aussieht, ist nicht abzusehen.
Der Grund der rücksichtslosen Abholzung ist nicht nur die Gier nach „edlen Hölzern“, sondern auch die Kultivierung riesiger Sojafelder durch Brandrodung. Sie dienen der Produktion von Futtermitteln für unsere Nutztiere. Seit der BSE-Krise, als in Europa die Verfütterung von Tiermehl verboten wurde, steigt auch bei uns der Verbrauch von Sojamehl als Futtermittel, und Deutschland ist der größte Importeur. Schuld daran ist unser übermäßiger Fleischkonsum, vor allem neuerdings von Geflügel.
Natürlich gibt es auch in Brasilien Naturschutzgebiete. Aber was nützt das, wenn sich niemand danach richtet?
Weltweit gehen jährlich 15 Millionen ha Regenwald verloren, z.B. auch in Burma, wo sich noch eines der größten Urwaldgebiete in Südostasien befindet. Dort besteht, einem Bericht des Deutschlandfunks zufolge, eine unheilige Allianz zwischen gewissenlosen burmesischen Generälen und kriminellen chinesischen Geschäftsleuten, die, alle Gesetze ignorierend, rücksichtslos abholzen und sich den illegalen Gewinn teilen.
In diesem Zusammenhang verweisen wir auf den Film „Fleisch frisst Menschen“, den wir immer wieder empfehlen. Er schildert diese Situation sehr eindrucksvoll. Obwohl er schon 17 Jahre alt ist, hat er nichts an seiner Aktualität verloren.
Quelle: Der Tagesspiegel, Okt. 05
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