Krankenhaus-Küchen als Einfallstor für
Infektionen?
Mit Fleischprodukten können Krankenhausküchen leicht
zum Einfallstor für gefährliche Krankheitserreger werden, darunter
antibiotikaresistente Keime wie MRSA (Methicillin resistenter
Staphylokokkus Aureus). Dieser Gesichtspunkt darf bei der neu
entbrannten Diskussion um die Hygiene-Sicherheit in Krankenhäusern
nicht außer Acht gelassen werden.
Karin Ulich, 1. Vorsitzende des Vereins Tier & Mensch e.V. kann
nicht verstehen, dass in der Regel immer noch Geflügel- und
Schweinefleisch zum festen Bestandteil der Krankenhaus-Speisepläne
gehört, Puten- oder Hühnerfleischprodukte gar als gesund angesehen
werden. Diesem Anspruch genügen sie leider - zumindest in heutigen
Zeiten – nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Aus
Massentierhaltungen, in denen weit über 90% der Schweine und fast
alle Puten "produziert" werden, kann kein gesundes Fleisch
stammen, denn die Tiere sind krank. In der Nutztierhaltung von
Schweinen, Geflügel, Rindern und Kaninchen werden während der Mast
regelmäßig Antibiotika verabreicht, um die große Infektionsgefahr
einzudämmen. Genauer gesagt: Mehr als die Hälfte der in
Deutschland verbrauchten Antibiotika – 780 Tonnen jährlich(!)
werden bei den Nutztieren eingesetzt! Trotzdem ist ein hoher
Prozentsatz der Schlachtkörper mit Keimen belastet, die
Lebensmittelvergiftungen auslösen.
Denn die Tiere werden heutzutage entgegen ihren Bedürfnissen zu
Tausenden eng zusammengepfercht in düsteren Hallen gehalten, die
Schweine über ihren Exkrementen auf Spaltenböden, die Puten (sowie
Masthühner und -enten) auf ihren wachsenden Kotbergen. Den unter
Dauerstress lebenden Tieren fehlen die Abwehrkräfte gegen
Infektionskrankheiten, weshalb ein hoher Prozentsatz mit
Salmonellen, Campylobakter, Schweine zu 92% auch mit
unterschiedlichen Influenzaviren infiziert sind. Jährlich leiden
daher Zehntausende von Verbrauchern in Deutschland an
Lebensmittelvergiftungen. Fast alle Schweine haben
Atemwegsinfektionen, da sie dem Ammoniakgeruch der Gülle ausgesetzt
sind und Verletzungen und Arthrosen an Klauen und Gelenken wegen der
harten Spaltenböden. Ausnahmslos alle Puten aus der
Massentierhaltung haben Wunden und Geschwüre an den Füßen, weil
sie in ihrem Kot stehen und viel zu schnell an Gewicht zulegen
müssen. Als Tierarzt und ernährungsbewusster Mensch rät Karin
Ulich davon ab, Fleisch aus Massentierhaltungen in Krankenhäusern
zu verwenden. Fleisch und Wurst sollte die Ausnahme sein und von
heimischen Biobauern, Neulandbetrieben oder sorgfältig geführten
Freilandhaltungen stammen. Aus eigener Erfahrung kann Ulich
versichern: Es lebt sich deutlich gesünder ohne Fleisch –
schmackhafte Alternativen gibt es genug.
Die Akzeptanz einer Ernährung ohne oder mit geringem tierischen
Anteil ist durch Aufklärung stark gewachsen – auch das Buch
„Tiere essen“ von Foer leistet dazu einen wichtigen
Beitrag.
Karin Ulich,
Tierärztin, September 2010