Zum Thema "Milchstreik und
Tierschutz":
Eine Wegwerfkuh klagt an.
"Muuuhhhh - bitte, schenkt mir
auch mal einen Moment Gehör. Schließlich sind
meine Artgenossen und ich es, von denen die Milch kommt. Und auch
wir hätten allen Grund
zu streiken. Denn die Folgen des erbarmungslosen Preiskampfes
lasten am allermeisten auf unseren Rücken. Um
viel und möglichst kostensparend Milch zu erhalten, zwingt Ihr
Menschen uns mit
trickreicher Züchtung, Wahnsinnsmengen Milch von etwa 30 bis 40 Litern
- und mehr! - am Tag zu produzieren. Das können wir nicht von einem
Tag zum anderen stoppen. Wir fühlen uns nicht gut dabei, werden
sogar krank von dieser
ständigen Überforderung. Wenn dann die ständigen Schwangerschaften
nicht mehr funktionieren, geht es ab zum Schlachthof. Grauenvoll,
doch das ist der Dank für alles! Unser Leben dauert im Durchschnitt
nur noch vier bis fünf Jahre - von der Natur wurden uns etwa 20
Lebensjahre zugedacht. Ich fühle mich wie eine Wegwerfkuh. Tag für
Tag träumen wir davon, auf der Weide zu leben, doch stattdessen sind
wir fast alle nur noch eingesperrt in engen Ställen. Wenn man uns
mit Gras statt mit
Getreide, Soja und Mais-Silage füttern würde, ginge es uns
wesentlich besser. Ohne
diese jährlichen Schwangerschaften und unverträglichen
Getreidemengen würden wir weniger Milch geben und länger gesund
bleiben. Dann wäre der
Markt nicht dermaßen übersättigt, dass die kostbare Milch und die
Produkte daraus zum Spottpreis verramscht werden müssten. Und wir wären
auch keine Nahrungskonkurrenten mehr zu den Menschen, die das Getreide
selbst dringend brauchen."
Karin Ulich 09.06.08