Tier & Mensch e.V. |
Pressemitteilung
vom 24. Juni 2006
von Tier
und Mensch e.V. und Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in
Europa (PAKT)
„Constanze“
und „WUV“ in Arbon: Wildvögel als Vogelgrippe-Überträger
entlastet
Die Tierärztin Karin Ulich
vom Verein „Tier und Mensch e.V.“ nahm an der Abschlusstagung
teil.
Das Länder übergreifende Projekt „Constanze“ und „WUV“ zur Fahndung nach der „Vogelgrippe“ bei Wildvögeln hat eindeutig gezeigt, dass Wildvögel bislang als Überträger des Virus H5N1 deutlich überschätzt wurden. Man fand das Virus trotz Tausender von Proben und sorgfältigster Beprobung in diesen drei Jahren weder in der Schweiz, noch in Österreich oder Baden-Württemberg.
Ab und zu tauchten in den Sentinel-Enten, die im Bodensee in mehreren Gehegen mit Kontakt zu Wildvögeln gehalten wurden harmlose Influenza-Viren auf. Im Gegensatz zum H5N1asia-Typ, der in Hühnerbeständen unter Umständen für zahlreiche Tiere tödlich sein kann, infizieren seine niedrig pathogenen Verwandten nur kurz das Geflügel, sind aber nach wenigen Tagen bereits wieder durch das Abwehrsystem eliminiert und lassen Antikörper zurück, wie sie auch bei Höckerschwänen gefunden wurden. Eine Gefahr für Nutzgeflügel in Freilandhaltung besteht dadurch nicht.
Folgerichtig forderte Gösta von Ledebur als Vertreter des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg: „Bei der weiteren Aufklärung von Vogelgrippe-Ausbrüchen sollten auch andere mögliche Übertragungswege wie Tiertransporte, Tierhandel, Futtermittel sowie die Abwässer und Abfallprodukte von Geflügelbetrieben auf ihre Relevanz bei der Übertragung der Vogelgrippe besser untersucht werden. Aufgrund der Länder übergreifenden Relevanz sind hier der Bund und die EU für weitere Untersuchungen gefragt.“
Eine Schweizer Untersuchung ergab überdies, dass Hausgeflügel kaum Kontakt zu wildlebenden Wasservögeln hat, an Gewässern genauso wenig wie im Binnenland. Für eine generelle Stallpflicht besteht daher keine wissenschaftliche Basis. Im Licht der neuen Erkenntnisse ist es nicht zu rechtfertigen, dass sie in Deutschland noch immer aufrechterhalten wird.
Schon lange warnen Tierärzte und Tierschutz-Organisationen, dass die großen, geschlossenen industriellen Geflügelhaltungen mit lichtarmer Engaufstallung von geschwächten Tieren dem Zirkulieren, Mutieren und der Steigerung der Pathogenität von Influenzaviren Vorschub leistet. Um ein gutes Immunsystem zu gewährleisten, sollte Geflügel gesund gehalten werden: In kleinen Beständen, mit Zugang zum Freiland, unter sorgfältiger Wurm- und Milben-Überwachung. Es ist dringend notwendig, dass auf EU-Ebene politische Maßnahmen gegen die unvorstellbar hohen Bestandszahlen in den dicht zusammengepferchten Beständen ergriffen werden, statt immer neue entstehen zu lassen. Im Übrigen haben die letzten Jahre gezeigt, dass der gefährliche Virustyp H5N1 auf unbekannten Wegen wiederholt in industrielle Massentierhaltungen von EU-Ländern gelangt ist und sich dort eine Zeitlang unentdeckt verbreiten konnte. Hier spielten andere Faktoren (Menschen, Transportfahrzeuge, Handel u. a.) eine Rolle, die Ansteckung dieser Geflügelbestände durch Wildvögel konnte ausgeschlossen werden.
PAKT und Tier und Mensch e.V. schließen sich nachdrücklich der Empfehlung des Baden-Württembergischen MLR an und mahnen strenge Kontrollen der Massentierhaltungen an, gerade auch im Hinblick auf die Tatsache, dass in zahlreichen Ländern in Asien das H5N1asia-Virus ständig vorhanden und offenbar nicht in den Griff zu bekommen ist. Wir fordern ein Ende des deutschen Sonderweges der generellen Stallpflicht, die zu erheblichen Leiden der Tiere führt und keinen Sinn macht.
verantwortlich i.S.d.P: Karin Ulich, 08389-577, karin-ulich@gmx.de
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