Tier & Mensch e.V. |
Am
9.8.2007 erschien unter der Überschrift "Mäusenähen nicht
erlaubt" folgende dpa-Meldung in Deutschen Tageszeitungen:
"Das umstrittene Vorhaben von Forschern der Medizinischen
Hochschule Hannover (MHH), zwei Mäuse zur Stammzellenforschung
aneinander zu nähen, ist abgelehnt worden. Das teilte das Niedersächsische
Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
gestern mit. Am Montag hatte der Verein Ärzte gegen
Tierversuche gegen das Vorhaben protestiert. Der Direktor der
Abteilung Versuchstierkunde an der MHH, Hedrich, sagte, die
Hochschule wolle nun prüfen, ob die sogenannte Parabiose für ihre
Versuche zwingend nötig sei."
Dazu
schickten wir folgenden Protestbrief:
Prof.Dr.H.Haller
Abteilung Nephrologie
Medizinische Hochschule Hannover
30623 Hannover
22.8.2007
Sehr
geehrter Herr Prof. Dr. Hedrich,
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Haller,
fassungslos
wende ich mich an Sie, als Medizinerin (Tierärztin), die einfach
nicht verstehen kann, wie Ärzte ihr Berufsethos so eiskalt begraben
können, verstrickt in ihren Forschungswahn, rücksichtslos jede Gefühlsregung
verleugnend.
Das
Zusammennähen zweier Individuen ist geradezu sadistisch, ganz egal,
welche Ergebnisse Sie erwarten. Wenn Ärzte bereit sind, zu
behaupten, die Tiere würden die Belastung verkraften, weil sie nach
einigen Tagen aufhören, sich gegen die Zwangslage zu wehren, so
spricht das für unschlagbaren Zynismus. (Woher wissen Sie das
eigentlich jetzt schon, obwohl diese Versuche doch verboten
wurden?). Es ist im übrigen allgemein bekannt, dass es dem Überleben
dient, meist nicht bis zur tödlichen Erschöpfung gegen einen unveränderlichen
Zustand zu kämpfen, auch wenn er zutiefst qualvoll ist.
Tierversuchslabors
sind abgeschottete Stätten des Grauens, doch immer, wenn
Einzelheiten in die Öffentlichkeit sickern, ist die Mehrheit der
Bevölkerung schockiert. Denn Tiere sind leidensfähig wie Menschen,
und wenn Ärzte, denen man sich als Patient ja voll Vertrauen
ausliefert, mit Rücksichtslosigkeit und Gefühlskälte Tiere
misshandeln, muss man sich natürlich fragen, wie weit sie überhaupt
fähig sein können, sensibel und einfühlsam mit Kindern, Alten
oder anderen hilflosen Menschen umzugehen. Ich halte es für
ausgeschlossen, dass die erworbene Stumpfheit des Mitgefühls nicht
die ganze Persönlichkeit verändert - Unmenschlichkeit lässt sich
ja sehr schnell und gründlich antrainieren, wie ein Blick in die
Geschichte zeigt.
Besonders
schlimm finde ich es, dass Ihre Projekte mit großen Beträgen an
Steuergeldern finanziert werden, und dass Sie Studenten ausbilden
und womöglich gar versuchen, Schüler anzudocken, wie es zum
Beispiel bei dem unsäglichen Projekt "Herzschlag"
geschehen war. Ihre Bemühungen, Ihre Versuchsvorhaben trotz des
Verbots mit "zwingender Notwendigkeit" zu rechtfertigen
und damit durchzusetzen, werden hoffentlich durchschaut als
"zwingend notwendig" für Ihr Selbstwertgefühl und Ihre
Karriere. Denn der Mehrung ärztlicher Hilfe für die Menschen können
sie alleine schon wegen ihrer Perversität nicht dienen.
Mit
reservierten Grüßen,
Karin Ulich, Tierärztin für den Verein "Tier und Mensch
e.V." www.tumev.de
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