Deutschland sucht die Vogelgrippe
(Pressemitteilung)
Mit großem Aufwand
ist Deutschland auf der Suche nach den Verbreitungswegen der
Vogelgrippe. Dabei konzentrieren sich die Forschungsaufträge in
erster Linie auf die Beprobung von Wildvögeln und Erkenntnisse
ihrer Wanderrouten. Kürzlich wurde in Bregenz ein Teil der Arbeiten
der Projekte "Constanze" (Bodensee) und "Wildvögel
und Vogelgrippe" (WuV) (Süddeutschland) vorgestellt. Bei
Hunderten von Kot- und Rachenproben hat man in eineinhalb Jahren
niemals das gefürchtete Vogelgrippe-Virus, sondern nur kurzzeitig
harmlose Influenzaviren entdeckt. Sie sind in der Natur
normalerweise präsent.
Weltweit ist bisher kein Fall wissenschaftlich fundiert belegt, dass
Wildvögel Hausgeflügel mit dem gefährlichen H5N1-Virus angesteckt
hätte. Immer wieder treten dagegen in vielen Ländern
Vogelgrippe-Ausbrüche in Massentierhaltungen auf. In Deutschland
und Europa fielen 2007 Hunderttausende von Tieren Ausbrüchen in
solchen Anlagen zum Opfer (die meisten durch Keulung!). Über die
Virusverwandtschaften konnte meist eine Verbindung zu infizierten
Massentierhaltungen in anderen Ländern hergestellt werden (z.B.:
von Ungarn nach England oder von Tschechien zu den Wichman -
Entenmastbetrieben in Bayern). Oft wurden auch Handelsbeziehungen
aufgedeckt. Aber meist blieb der Ansteckungsweg im Dunkeln. Dann
verdächtigen die Verantwortlichen schnell Wildvögel, die irgendwie
in die streng abgeschotteten Ställe hineingeraten sein müssten.
Sie ignorieren, dass es in Massentierhaltungen häufig vorgekommen
ist, dass Vogelgrippeviren des gefürchteten H5N1asia-Typs
unentdeckt zirkulieren und auch mit Produkten in den Handel gelangen
konnten. So steckten sich Weihnachten in Brandenburg Hühner an
Abfällen gefrorener Wichmann-Enten an, die offenbar ein halbes Jahr
lang im Handel waren.
Daher fragen wir uns besorgt, ob nicht der Schwerpunkt der
Virussuche am falschen Ort stattfindet. Wir kritisieren heftig, dass
die Regierung zwar in der Geflügelpest-Verordnung neben der
dauerhaften Stallpflicht auch regelmäßige teure Untersuchungen bei
Freilandgeflügel vorschreibt. Solche Routine-Untersuchungen gibt es
bei Geflügel in Großbeständen jedoch nicht! Daher wird auch
weiterhin nicht verhindert, dass die Influenzaviren in die
natürliche Umwelt gelangen: mit Kot, Kadavern und anderen
Abfällen, über Jungtiere, Eier, Geflügelprodukte oder über die
Durchgangsstation Schlachthof. Dieses Virus, das sogar als
potentieller Pandemie-Erreger beim Menschen gilt, hat durch die
weltweit vernetzten Strukturen des Geflügelhandels beste Chancen,
sich zu verbreiten oder sich in den Tierhöllen explosionsartig zu
vermehren und dabei munter zu mutieren. (Weiterführende Quellen:
www.wai.netzwerk-phoenix.de)
Wir fordern eindringlich, die Untersuchungsschwerpunkte zu
verschieben und den folgenden Fragen nachzugehen: Wie verbreiten
sich hoch pathogene Influenzaviren über den Handel? Gelangen sie
aus Geflügelbeständen in die Umwelt, und wie lässt sich das
verhindern? Wie kann verhindert werden, dass Vogelgrippeviren
unentdeckt in kommerziellen Geflügelbeständen zirkulieren und mit
Waren zum Verbraucher gelangen können? Die Stallpflicht ist sinnlos
und sofort aufzuheben, und zwar aus Tierschutzgründen und um die
letzten Freilandhaltungen in Deutschland nicht auch noch in den Ruin
zu treiben.
ViSdP: Karin Ulich, Kontaktbüro Bodensee, Juli 2008